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Lima, Ceviche und die längste Welle

Am 8. Juli sind wir in Lima gelandet. Nach viel Natur haben wir uns auf Kultur und Stadt gefreut.

Lima, Ceviche und die längste Welle - Anflug auf Lima aus dem Flugzeug

Lima ist unter Foodies notorisch und das Essen hat tatsächlich abgeliefert.

Lima, Ceviche und die längste Welle - Ankunft in der Stadt Lima

Fisch war übrigens auf der ganzen Reise ein Highlight, schon seit Mittelamerika. Interessanterweise wird die Ceviche umso puristischer, je weiter südlich man kommt. Wo in Nicaragua noch schamlos Avocado, Ananas und Passionsfrucht reingemischt werden, wurden wir in Peru angeekelt angestarrt und gefragt, wie man denn auf eine solche Idee kommt, Früchte mit Fisch zu essen.

Lima, Ceviche und die längste Welle - puristische Ceviche mit Pisco Sour

Highlight waren der gepuffte Mais in Kombination mit unanständig grossen Gläsern Pisco Sour und die bereits erwähnte puristische Ceviche.

Lima, Ceviche und die längste Welle - gepuffter Mais als Beilage

In einer Speakeasy-Bar haben wir die verrücktesten Zaubertrank-Infusionen gesehen.

Lima, Ceviche und die längste Welle - Einmachgläser mit Infusionen in der Speakeasy-Bar

Auf mehr als 5 Regalen mit je 4 Tablaren war der Raum voller Einmachgläser, in denen die unmöglichsten Flüssigkeiten lagerten. Sonst gibt es von den Getränken nicht viel zu erwähnen – Inca Kola kann man sich sparen. Apropos Inka: Der Besuch einer Prä-Inka-Ruine lohnte sich und war sehr eindrücklich.

Lima, Ceviche und die längste Welle - Regale voller Flüssigkeiten in der Speakeasy-Bar

Obwohl mir das Beach-Bum-Leben doch sehr gefällt, schlummert in mir auch ein passioniert bürgerlicher Hobby-Architekt, der sich von Museen und Infotafeln angezogen fühlt.

Lima, Ceviche und die längste Welle - Prä-Inka-Ruine aus handgefertigten Lehmziegeln

Die Prä-Inka-Ruine Huaco Pucllana in der Mitte der Stadt Lima war insofern eindrücklich, weil alle Wände und Tempel aus unglaublich vielen handgefertigten Lehmziegeln gebaut worden sind. Wie gigantische Bücherregale türmen sich die sandförmigen Mauern auf und erfüllten so im seismisch-trockenen Lima nicht nur eine statisch-konstruktive Funktion, sondern wirkten auf mich erstaunlich modern.

Lima, Ceviche und die längste Welle - Mauern der Prä-Inka-Ruine mitten in Lima

Nicht nur Architektur, sondern auch Musik ist eine Passion von Leslie und mir. Im Gran Teatro Nacional verbrachten wir einen schönen Abend und durften am Experimenta Festival ein Konzert hören.

Lima, Ceviche und die längste Welle - Luca und Leslie am Konzertabend

Das Sinfonieorchester spielte in voller Besetzung ein tatsächlich experimentelles Programm. Ich war froh, als sie dann noch ein Stück aus der Carmen und die Ouvertüre von Mignon gespielt haben. Ich bin eher so der Belcanto-Oper-Abo-Typ, der irgendwie innerlich mitsummen können muss. Das hardcore atonale experimentelle Trommeln mit dem Bogen auf 5 Celli gleichzeitig holte mich nicht so ab. Für die musikbegeisterten LeserInnen anbei das Programm. Vielleicht verstehe ichs auch einfach zu wenig.

Lima, Ceviche und die längste Welle - das Programm des Experimenta Festival Konzerts

Ein weiteres Highlight aus Lima war der Ausflug zu einer Insel mit Seelöwen. Das Fischbrötchen zum Morgenessen in der Hafenbar hat uns eingestimmt.

Lima, Ceviche und die längste Welle - Fischbrötchen zum Morgenessen in der Hafenbar

Als wir nach einer eineinhalbstündigen Bootsfahrt zu einem grösseren Felsen kamen, der voll mit Seehunden war, konnte Leslie sich nicht mehr halten vor Freude und ist baden gegangen.

Lima, Ceviche und die längste Welle - Leslie geht bei den Seelöwen baden

Der Seegang war harmlos. Aber die Tierchen fressen Fisch und das roch man.

Lima, Ceviche und die längste Welle - der Felsen voller Seehunde

Als die ersten Gäste nach Tüten verlangten, begann ich das Morgenessen in der Hafenbar anzuzweifeln.

Lima, Ceviche und die längste Welle - Bootsfahrt zum Seelöwen-Ausflug

Bruno aus Panama hat uns noch einen Kontakt empfohlen und so haben wir Pancho kennengelernt. Pancho ist mit uns 8 Stunden in den Norden nach Puerto Malabrigo gefahren.

Lima, Ceviche und die längste Welle - die Fahrt in den Norden nach Puerto Malabrigo

Dabei haben wir zwei Dinge gemerkt. Lima ist riesig. Man braucht gute zwei Stunden, um überhaupt aus der Stadt rauszufahren.

Lima, Ceviche und die längste Welle - die Quartiere am Rand von Lima

Die Quartiere werden wilder und ärmer.

Lima, Ceviche und die längste Welle - wildere Quartiere am Rand von Lima

Die Vegetation ist hauptsächlich Sand und Fels.

Lima, Ceviche und die längste Welle - Sand und Fels ausserhalb von Lima

Und man erahnt etwas von der Realität eines anderen Limas, fern der Speakeasy-Bars und der Konzerte.

Lima, Ceviche und die längste Welle - unterwegs nach Chicama

Den Kontrast kennen wir. In Lima war er extrem.

Lima, Ceviche und die längste Welle - Landschaft aus Sand und Fels auf dem Weg nach Chicama

Was will man in einem Nest wie Puerto Malabrigo? Surfen. Chicama ist das Stichwort. Dank einem Naturphänomen ist Puerto Malabrigo Heim einer der längsten Wellen der Welt.

Lima, Ceviche und die längste Welle - der Strand von Chicama in Puerto Malabrigo

Die Wellen waren klein, aber perfekt und lang. Sehr lang. Der Screenshot ist von einer Welle, auf der ich über 1 Minute surfen konnte. Technisch ist die Welle easy und wir hatten beide grosse Freude an dem legendären Ort.

Lima, Ceviche und die längste Welle - die lange Welle von Chicama
Lima, Ceviche und die längste Welle - Screenshot einer über eine Minute langen Welle in Chicama

Nach Chicama sind wir auf einen Bus und in Richtung Anden gefahren. Die Hinfahrt mit dem Bus war problemlos. Trotzdem muss an dieser Stelle noch etwas zur Rückfahrt gesagt werden. Wobei die Rückfahrt exemplarisch für alle Fahrerlebnisse in Peru steht. Was wir übrigens in den Bergen von Peru erlebt haben, folgt im nächsten Blog. Doch zurück zum Strassenverkehr.

In der Primarschule hatten wir einen Dorfpolizisten. Der hiess Wettstein und war im Zürcher Unterland ein bekanntes Original. Nicht nur machte er uns als Kindergärtner liebevoll auf die Gefahren des Strassenverkehrs aufmerksam, er nahm auch unsere Veloprüfungen ab. Warum erwähne ich Wettstein? Ich würde viel Geld bezahlen, um Wettstein auf seinem Velo einen Tag in Lima fahren sehen zu können. Auch mir als ehemaligem Verkehrssoldaten im Tessin ist eine sportliche Fahrweise bekannt. Was mir in Lima aber an Verkehrschaos, Überholmanövern und generell fahrlässigen, wenn nicht schon eventualvorsätzlichen Lebensgefährdungen begegnet ist, sprengte jegliches Vorstellungsvermögen. Das gipfelte darin, dass uns in einem Taxi auf der Rückfahrt nach Lima ein Reifen geplatzt ist. Kurz: Die Fahrweise und der Verkehr generell sind unter aller Sau und ich bin froh, dass wir Lima lebendig verlassen durften.

Lima, Ceviche und die längste Welle - der geplatzte Reifen des Taxis auf der Rückfahrt nach Lima