Von Oaxaca auf 2500 m.ü.M.
Chacahua ist ein spezieller Ort. Ein kleines Dorf mit ca. 400 EinwohnerInnen, das durch eine Lagune getrennt ist, die im Meer mündet. An der kleinsten Stelle kann man die knappen 200 Meter Wasser mit dem Surfboard paddeln, eine Überfahrt mit dem Boot kostet 20 Pesos, als Touri zumindest.
Einen Wohnwagen, "Area de acampar" mit Grill, Plastikstühlen und eingezäuntem Gärtchen (Stacheldraht), sah noch frei aus. Let me know, ich vermittle zu günstigen Konditionen. Beste Lage, Fassade müsste man machen, sanitäre Einrichtung getraute ich mich nicht zu besichtigen.
Duschen ist übrigens jedes Mal eine spannende Angelegenheit. Einerseits weil warmes Wasser selten ist. Und andererseits, wenn es dann warm sein sollte, schwebt die Angst, an einem Stromschlag zu sterben, jedes Mal sichtbar als drei farbige Drähte über einem mit und gibt der ganzen Duscherfahrung so den nötigen Nervenkitzel. Ich weiss nicht genau, ob Peter Reber mit Reisefieber auch das gemeint hat, oder ob er nur a die blutti Seel im Wiise Sand dänkt hett.
Apropos Peter Reber, de Dude isch e Legände. Irgendwann stelle ich das Cover von Grünen Banane nach. Der Bart kommt gut, die Gitarren- und Segelskills brauchen noch etwas.
Die nördlichere Seite des Dorfes ist mit dem Auto erreichbar, die südlichere ist eine Insel und erreicht man mit einer 45-minütigen Schifffahrt durch die Lagune. Die Lagune selber ist riesig und lebendig.
Mit Surfdetails belästige ich Euch nicht, einzig so viel: Ich hatte super Freude, wie gut Leslie das Surfen gefällt, und war ultra happy, selber endlich wieder auf dem Brett zu sein.
Am zweiten Tag mit ihr im Wasser habe ich jedoch einen Anfängerfehler gemacht (den ich eigentlich vom Kiten kenne) und zwar habe ich in ihre Leash gegriffen. Wasser, Bewegung und Leine ist generell eine dumme Kombi und als ich den Zug am Finger gespürt habe, kam mir Mario in den Sinn, der in der Notaufnahme in Zürich eine Person gesehen hat, die den Finger beim Wakesurfen verloren hat.
Meiner ist auf jeden Fall noch dran. Ich musste jedoch Pause machen (mini Frust) und Leslie von der Mole aus unterstützen. Ich bin buchstäblich mit einem blaün Finger davon gekommen und bin froh, in Zukunft weiterhin mit zehn tippen zu können.
Zur lebendigen Lagune: Als wir in der Nacht mit Miguel in einem einfachen Boot mit Aussenbordmotor in die Lagune fuhren, fragten wir uns, warum er mit der Taschenlampe die Mangrovenwälder am Flussrand ableuchtete.
Nach ungefähr 20 Minuten Fahrt in kompletter Dunkelheit beginnt plötzlich das Spritzwasser silbrig zu leuchten. Biolumineszenz, eine chemische Abwehrreaktion von Mikroorganismen im Wasser. Taucht man die Hand hinein, schimmert das Wasser silbern. Wir hatten Glück. Es war beinahe Leermond. Miguel meinte, die Krokodile kämen nicht so weit in die Lagune hinab. Ich fragte mich noch, woher Miguel das weiss, als Leslie schon in kompletter Dunkelheit ins Wasser sprang und plötzlich von einem silbrigen Leuchten umgeben war.
Auf dem Rückweg leuchteten uns aus einem Mangrovenwäldchen, von Miguels Lichtkegel reflektiert, zwei Augen entgegen. Als wir mit ausgeschaltetem Motor weiter darauf zu drifteten, sahen wir, dass die Dinosaurier ferner Urzeit sehr wohl bis hinab in die Lagune kommen.
Nach einigen Tagen in Chacahua fuhren wir dann mit dem Auto weiter in die Berge von Oaxaca. In knappen 6 Stunden vom Meer hoch auf 2500 Meter. Die Strasse war für einen ehemaligen Schweizer Verkehrssoldaten nicht weiter schlimm.
Was jedoch bei uns undenkbar wäre, sind Strassen, in denen stellenweise riesige Löcher in Schluchten münden. Auch ist die Signalisation für solche "Hindernisse" zum Teil schlicht nicht vorhanden, oder dürftig kreativ: ein Stecken oder ein Fetzen Plastik an einem kleinen Pfosten, der einem darauf aufmerksam machen sollte, dass in 5 Metern die Hälfte der Passstrasse abgebrochen ist.
Allgemein ist das eine gute Zusammenfassung der Strassen in Mexiko. In 90% der Fälle ist es angenehmer als in der Schweiz. Aber in den 10% der Fälle, in denen es unangenehmer ist, ist es krass unangenehmer. Sprich: die Konseqünzen sind grösser.
Die Leute fahren in 90% der Fälle gemütlich. In 10% der Fälle hingegen überholen sie auf haarsträubendste Weise. Als FahrerIn muss man insofern auch für die 10% bereit sein. Ist man das, hat man eine super Zeit am Steür. Ist man unaufmerksam, ist es etwas russisches Roulette.
Angekommen in San Cristobal gönnten wir uns, ganz nach den Empfehlungen der Reisemediziner im UZH Zentrum, Corona, Burger und Mezcal. Akklimatisation für Profis.
Keine Angst, wir saufen nicht die ganze Zeit. Leslie schreibt dann auch noch einen Blog über unsere kleine Fastenzeit und in Nicaragua liegt für mich der Fokus auf meinem Lieblingssport.
Noch zwei kurze Werbeblöcke:
Nummer eins: Ich liebe die Petzl Bindi Stirnlampen. Für unschlagbare 40 CHF kriegt man einen funktionalen Allrounder, der mit einer kleinen Flasche Listerine easy peasy zu einem lockeren Ambientelicht verwandelt werden kann. Sie wiegt unter 50 g und lässt sich wieder aufladen. Die kleinen Dinger sind essentials und haben sich übrigens auch als Licht auf dem Roller in Tulum bewährt. Vollgeil.
Nummer zwei: Yeti Thermosflasche (ohne Scheiss-Plastikaufsatz, der ging sofort kaputt). Aber eine Thermosflasche, die gross genug ist: einerseits für Chocolate de Agua im Auto am Morgen (es ist kalt, ich will heiss), oder dann für Pasta, die man am Abend in die Flasche einmacht, um sie dann im Gefrierer (Food Safety) abzukühlen und am nächsten Tag im heissen Auto zu transportieren (es ist heiss, ich will kalt). Oder einfach kalte Getränke seiner Wahl. Auch vollgeil.
Nach drei eindrücklichen Tagen in den Bergen fuhren wir dann in 3 Etappen alles zurück nach Cancun. Total 3950 Kilometer.
De Charre abgeh, und dann sind wir auf einen Flieger nach Managua. Noch einmal aufs WC am Flughafen in Mexiko. Zum Essen generell schreibe ich dann später mal was, nur so viel als kontroverse These vorab (die übrigens bereits in der Elfenbeinküste entstanden ist): Schärfe auf der Scoville-Skala jenseits von Tabasco hat meines Erachtens nichts mit Geschmack zu tun, sondern entweder mit a) Desinfizieren oder b) ungenügenden Kochskills.
Dann hiess es: Welcome to Nicaragua. Managua ist definitiv nicht mehr Zürich. Und eindeutig auch nicht Cancun oder Tulum.
Managua ist ... nun ja ...